Es ist nicht nur ein poetischer, sondern auch ein naturwissenschaftlicher, klimatologischer und (wein)philosophischer Titel, mit dem die Bregenzerwälder Genusstage ihre Leitveranstaltung zum Thema Wein überschreiben.
Es geht um Weine, die aus Trauben gekeltert werden, die nicht die vordergründigen Vorteile eines warmen Klimas genießen. Trauben, die sich im steten Wechsel von heißen Tagen und kühlen Nächten beweisen müssen. Nur der permanente Existenzkampf – so Genusstage-Mitbegründer Roland Velich, selbst hoch dekorierter Winzer („Moric“) und Kurator für alle Weinangelegenheiten der Veranstaltungsreihe – zwingt die Trauben dazu, das Äußerste an Aromatik und Würze aus dem Boden, auf dem sie wachsen, aufzunehmen und abzubilden. Der Daseinskampf der Trauben, so Velichs These, ist das größte Kapital des Winzers.
Um diese interessante Beobachtung anschaulich und sinnlich erfahrbar zu machen, präsentieren die Genusstage sechs Winzer aus nördlichen Weinregionen Europas. Roland Velich wird durch die Verkostung führen. Der bekannte Weinkritiker Stuart Pigott wird sie mit seinen pointierten und meinungsstarken Kommentaren begleiten.
Wir freuen uns sehr über die Teilnahme der folgenden Winzer:
Domaine Dujac / Jeremy Seysses
Morey Saint Denis
Burgund/Frankreich
Das erst 1966 von Jacques Seysses gegründete Weingut hat sich in kurzer Zeit einen weltweiten Ruf erarbeitet. Die Weine der Domaine Dujac werden von Trauben sehr alter Rebstöcke gekeltert, die auf den legendären Lagen der Cote de Nuit stehen. Gesunde und reife Trauben werden im Keller mit traditionellen Methoden vergoren. Die Philosophie der Domaine besteht darin, möglichst wenig in die Entwicklung der Weine einzugreifen.
Das Ergebnis sind elegante, einmalig strukturierte Weine von großer Finesse und Eleganz. Legendäre Lagenweine wie "Clos de
la Roche", "Clos St. Denis", "Bonnes Mares", "Echezaux" und "Charmes Chambertin" werden Jahr für Jahr von der Weinwelt als außergewöhnliche Ereignisse wahrgenommen. Der Weinschriftsteller Remington Norman urteilt über die Weine der Domaine Dujac: „der Quintessenz so nahe wie überhaupt nur möglich.“
Jeremy Seysses, Sohn des Gründers und für die Produktion der Domaine mitverantwortlich, wird an der Verkostung teilnehmen.
Martha und Daniel Gantenbein
Fläsch und Malans
Graubünden/Schweiz
Das Paar aus Fläsch bezeichnet sich gern – und ein wenig kokett – als „Weinhandwerker“. Sind Martha und Daniel Gantenbein doch veritable Stars und synonym für die Segnungen der „Bündner Herrschaft“, jenes traditionellen Schweizer Weinbaugebiets, das die Gantenbeins mit ihrem Pinot Noir weit über die Schweiz hinaus bekannt gemacht haben.
Martha und Daniel Gantenbein bewirtschaften nur sechs Hektar Weinberge in Fläsch und Malans. Sie beschränken ihre Arbeit auf drei Rebsorten: Pinot Noir, Chardonnay und eine winzige Menge an Riesling. Die Trauben wachsen in etwa 500 Meter Seehöhe auf leichten, besonders kalkhältigen Böden mit etwas Schieferanteil. Ertragsschwache französische Klone und hohe Bepflanzungsdichte reduzieren den Ertrag auf natürliche Weise.
Die Arbeit im Keller ist weitgehend zurückhaltend: Pinot noir und Chardonnay reifen im neuen Holz und werden anschließend unfiltriert abgefüllt. Es entstehen Weine nach burgundischem Vorbild, die ihre schweizerische Herkunft – und die Handschrift ihrer Macher – nie verleugnen.
Martha und Daniel Gantenbein werden an der Verkostung teilnehmen.
Domaine Kreydenweiss
Andlau
Elsass/Frankreich
Die Familie Kreydenweiss führt ihr elsässisches Weingut seit 22 Generationen, aber den Aufstieg in die Spitzenklasse Europas hat der derzeitige Chef der Domaine, Marc Kreydenweiss, zu verantworten. Er präzisierte die Arbeit in den Weingärten und schaffte damit die Vorraussetzung dafür, dass die Finessen des elsässischen Terroirs sich in den Weinen nachvollziehen lassen.
Marc Kreydenweiss betreibt den Weingarten biodynamisch, setzt zur Schädlingsbekämpfung homöopathische Präparate ein und achtet auf die Ausgewogenheit der Böden in den Gärten. Beschränkte Erträge, Spontanvergärung, biologischer Säureabbau und sparsame Schwefelung sind einige der Instrumente von Kreydenweiss, mit denen er die Aromatik seiner Weine vielfältiger macht und ihre Bekömmlichkeit steigert. Es entstehen weiße Burgunder, Rieslinge und Gewürztraminer von moderatem Alkoholgehalt, die „klar und in ihrem Ausdruck schnörkellos sind“(„Der Feinschmecker“).
Für das zweite Weingut der Familie an der Rhône sind Marc Kreydenweiss’ Söhne Antoine und Manfred verantwortlich.
Marc Kreydenweiss wird an der Verkostung teilnehmen.
Ludwig Neumayer
Inzersdorf
Traisental/Österreich
Ludwig Neumayer hatte das Handicap – oder die Chance, die Aufmerksamkeit interessierter Weintrinker auf die bis dato völlig unentdeckte Weingegend des niederösterreichischen Traisentals zu lenken. Sein kleinbäuerlicher Betrieb in Inzersdorf liegt etwa 20 Kilometer von der Wachau entfernt in einer Übergangszone zwischen Böden aus Urgestein und tiefem Löss. Auf mosaikförmig verstreuten Einzellagen (Gesamtfläche 9 ha) hat Neumayer nur weiße Rebsorten ausgepflanzt: Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder und Sauvignon blanc.
Die kalkreichen Konglomeratböden befördern Weine von kühler, mineralischer Stilistik und großem Nuancenreichtum: ein Motiv, das Neumayer vor allem in seinen sortenreinen „Weinen vom Stein“ beeindruckend aufnimmt. Dem „Wein vom Stein“, aber auch den Einzellagen Rafasetzen, Engelreich und Zwirch hat er den Ruf zu verdanken, den seine Weine inzwischen weit über Österreich hinaus genießen.
Ludwig Neumayer wird an der Verkostung teilnehmen.
Weingut Wenzel
Rust
Burgenland/Österreich
Michael Wenzel ist in 13. Generation für das Familienweingut in der idyllischen Altstadt von Rust am Neusiedlersee verantwortlich. In dieser Weinregion wird traditionell eine Vielzahl an Sorten kultiviert. Wenzel macht darin keine Ausnahme. Er keltert rote und weiße Trauben und widmet sich auch der gebietstypischen Spezialität des „Ruster Ausbruchs“, einem nur im Mikroklima Rusts gedeihenden Süßwein. „Michael setzt fort, was sein Vater Robert begonnen hat. Und Robert Wenzel ist für mich der Doyen des Ruster Ausbruchs“ (Roland Velich).
Das bestimmende Motiv in Wenzels Arbeitsphilosophie ist der dezidierte „Respekt vor der Natur“. Er setzt bewusst auf herkömmliche, jedoch keineswegs veraltete Methoden wie dichte Pflanzung der Rebstöcke und ökologische Weingartenarbeit. Im Keller wird sehr puristisch und ohne große Intervention oder Technologie gearbeitet.
„Weinmachen ist ... zu zeigen, was sich verbirgt“, sagt Michael Wenzel und arbeitet unter diesem fast antroposophischen Motto leidenschaftlich mit lokalen Rebsorten wie dem Furmint oder dem Blaufränkisch. Er wagt sich aber auch an den bekannt schwierigen Pinot noir, mit dem er in den speziellen Mikroklimata Rusts bisher unerreichte Qualitäten erzielen will. Michael Wenzel wird an der Verkostung teilnehmen.
Weingut Wittmann
Westhofen bei Worms
Rheinhessen/Deutschland
Das Weingut Wittmann im südlichen Rheinhessen ist seit 1663 dokumentiert. Es liegt an den Ufern des Rheins und verfügt über einige der besten Lagen dieses besonders begünstigten Weinbaugebiets. Auf 25 Hektar wachsen Riesling, Silvaner und weiße und rote Burgundersorten.
Gemeinsam mit seinen Eltern hat Philipp Wittmann bereits vor Jahren die Weichen für die Zukunft des Traditionsbetriebs gestellt. Vor 19 Jahren begann er mit kontrolliert ökologischer Weingartenarbeit. 2004 stellte das Weingut auf Biodynamie um. Die Anstrengungen gelten einer weiteren Verbesserung des „Bodenausdrucks“ – jener Aromatik, welche die Trauben alter, tief wurzelnder Rebstöcke, die auf mineralischem Kalkgestein stehen, unverwechselbar macht.
Die reifen Trauben werden konsequent ausgelesen und im Gewölbekeller extrem langsam vergoren, auf natürlichen Hefen im Holzfass. Das Ergebnis sind die für das Weingut charakteristischen, enorm mineralischen Lagenweine, gekrönt von Wittmanns legendären Rieslingen „Großes Gewächs“ von den ältesten Rebstöcken aus Spitzenlagen.
Philipp Wittmann wird bei der Verkostung anwesend sein.
Im Anschluss an die Veranstaltung wird im Foyer des Käsekellers gemeinsam Wälder Käse verkostet.
Willi Resetarits – Gesang, Mundharmonika & Gschichtln
Stubnblues Allstars
Stefan Schubert – Gitarren & Gesang
Klaus Kircher – Stehbass & Gesang
Peter Angerer – Schlag- und Schüttelinstrumente & Gesang
Christian Wegscheider – Quetschn, Tasten & Gesang
Chris Haitzmann – Trompete
Herbert Berger – Saxophon
„Käsknöpfle + Risotto“
Passend zum Stubnblues-Konzert auch eine bodenständige Verköstigung: „Käsknöpfle und Risotto“ reichen den Konzertbesuchern die Mundart-Betriebe des Bregenzerwaldes und Produzenten der Gastregion Emilia Romagna. Als Weinbegleitung kommen da natürlich nur Lambrusco und Vorarlberger Weine in Frage. Aber es gibt auch kühles Bier.
15,– Euro/Person für Konzert
Tickets an der Abendkasse